Humboldt County to Fort Bragg

California is calling! Wir verlassen Humboldt County und fahren den 101 weiter südlich. Nach San Francisco, dem Ziel unserer diesjährigen Tour, ist es nicht mehr weit - gerade einmal 299 Miles. Unsere heutige Etappe führt uns jedoch zunächst einmal nach Fort Bragg, einem kleinen Örtchen, gebaut im Western Stil.

Auf unserer 3-stündigen Fahrt bemerken wir immer eindeutiger, dass wir in Kalifornien sind. Die Wälder, immer noch von Redwoods dominiert, verändern sich. Es ist vor allem die Bodenvegetation die weniger dicht und üppig ist. Farne gibt es nicht mehr. Da, wo die Wälder weniger dicht sind, typische, vom Sommer vertrocknete Wiesen. Auch das Gestein der Berge verändert sich, es wirkt mehr wie Basalt. Es gibt die typischen, ebenfalls im Sommer ausgetrockneten Flüsse, deren Breite jedoch erahnen lässt, welche Wassermassen im Frühjahr in Richtung Pazifik fließen.

Wir finden einen kleinen Fluß, welcher noch reichlich klares Wasser führt. Es ist gar nicht so kühl und Paul beschließt kurzerhand, die willkommene Erfrischung zum Schwimmen zu nutzen. Nach der kleinen Pause zweigt unsere Route vom 101 ab und schlängelt sich entlang des Highway Number 1. Wir erreichen Fort Bragg am Nachmittag. Hatten wir am Vormittag wärmende Sonne und wirklich sommerliche Temperaturen, verspüren wir in Fort Bragg die frische Brise des Pazifiks. Es scheint, dass die Stürme über Hawaii kühle, pazifische Lufmassen vorantreiben und zumindest küstennah die Strömungen warmer kalifornischer Inlandsluft zurückdrängen.

Fort Bragg selbst hat keine gigantischen Sehenswürdigkeiten. Eine Umweltschande aus den frühen 50iger Jahren macht Abschnitte des heutigen Strandes zu etwas Besonderem - Glass Beach. Einst wurde städtischer Müll einfach im Meer verklappt. Den tausenden von Glasflaschen nahm sich der Pazifik an, brach das Glas und schliff es durch die unermüdlichen Wellenbewegungen zu kleinen, runden Glassteinen. Im Sonnenlicht soll der Strand fantastisch glitzern. Prüfen konnten wir das heute nicht. Mal schauen, ob morgen früh die Sonne scheint.

Patricks Point State Park

Oh wie herrlich kuschelig sind wir heute morgen in unserem süßen, kleinen Häuschen mitten im Wald wach geworden. Ich bin husch einmal kurz aus dem Bett geschlüpft, habe die Gastherme angeschmissen, um dann noch einmal zu schlummern. Ein Halbes- oder vielleicht Dreiviertelstündchen später zieht bereits der Duft frischen Kaffees durch den Raum - hmmm. 

Wir gehen es heute etwas ruhiger an. Gemütliches Frühstücken, kein Ortswechsel und dennoch wollen wir uns bewegen und etwas von der Umgebung entdecken. Gegen Mittag brechen wir zu einer kleinen Wanderung in den Patricks Point State Park auf. Der Wanderweg ist als Rundweg angelegt und führt weitgehend entlang der Steilküste. Immer wieder gibt es die Möglichkeit nach einem Abstecher an den Strand hinunter oder auf Felsen hinauf. Wir nehmen alle mit, bleiben an schönen Aussichten stehen oder sitzen. Entdecken handtellergroße Seesterne, dösende Seehunde; beobachten Vögel und träumen ein wenig.

Nach der knapp dreistündigen Wanderung entschließen wir uns auch den Abend nicht auswärts zu verbringen, holen uns ein paar Dosen Dr.Pepper, Pizza, Obst und süße Schweinereien - alles was wir für einen gemütlichen Abend im kleinen Häuschen benötigen.  

Von Newport nach Bandon

Der Morgen startet im Hafen von Newport. Es riecht nach Meer, Salz und Fisch. Die Kutter sind am Morgen zurückgekehrt und im Hafen wird der Fang verarbeitet. Lachse, Tunfische und Krabben. Wir sitzen in einem Cafè, frühstücken und beobachten das Treiben. Heute muss auf jeden Fall noch frischer Fisch auf den Tisch!

Nach einem kleinen Spaziergang durch Newport geht es auf den 101. Die Straße hält heute für uns so unterschiedliche Eindrücke und Bilder bereit, wie ich sie mir nicht vorgestellt habe. Flache Küstenabschnitte mit breiten Sandstränden, wechseln auf steile und zerklüftete. Die Luft ist erstaunlich mild. Wir steigen oft ein und aus - genießen die Strandspaziergänge. Zwischendurch immer wieder endlos tiefe Wälder, soweit das Auge blicken kann.

Kleinere und größere Fischerdörfer begleiten uns auf dem Weg. Manche sind niedlich schön, laden zu einem Schaufensterbummel ein, andere lassen wir an der Straße zurück. Die Gegend war über viele Jahrzehnte hinweg von Fischfang und Holzindustrie bestimmt. Nicht jeder Ort hat den Umschwung in den Tourismus als Einnahmequelle geschafft. Solche, die den Weg frühzeitig in Richtung Tourismus eingschlagen haben, werden mit Urlaubern und Pensionären und deren Geld belohnt - das sieht man beispielsweise im kleinen Örtchen Florence.

Dicht hinter Florence beginnt die größte Dünenlandschaft der USA, der Oregon Dunes National Park. Schier endlos weit und hoch scheinen Dünen. Wir wandern durch einen Abschnitt dichter Vegetation. Herrliche Kiefernwälder und typische Dünensträucher. Im Hintergrund das Rauschen des Pazifiks. Herrlich frische, milde Luft. 

Entlang der Straße treffen wir auf ganz unterschiedliche Mitstreiter. Ein Pärchen junger Frauen, unterwegs von Kanada in einem alten VW Bus. Eine Familie aus Frankreich - auf einer 4 Jahre dauernden Weltreise. Urlauber wie wir und Städter auf Kurzurlaub. Was uns auffällt, die Menschen die wir auf der Straße, am Strand  oder in den kleinen Orten treffen sind ausgesprochen freundlich - wie hatten wir das in Seattle und Portland vermisst - das ist die USA, wie wir sie in den letzten 10 Jahren, auf unterschiedlichen Reisen kennengelernt haben.

Am frühen Abend treffen wir in Bandon ein. Das Thermometer ist von 75°F auf 57°F gesunken. Wir checken in unser süßes kleines Motel ein, machen uns frisch und schlüpfen in wärmere Kleidung. Danach kommt, was ich mir am Morgen vorgenommen hatte - frischer Fisch! Diese Nacht wird unsere letzte Nacht in Oregon sein - morgen wechseln wir nach Nordkalifornien.

Von Seattle nach Port Angeles

Wir lassen Seattle und seinen Großraum hinter uns, bewegen uns zunächst südlich nach Tacoma, um von hier aus in Richtung des Highway 101 zu steuern. Dieser bringt uns zu unserem heutigen Etappenziel, Port Angeles.

Tacoma hat seinen Namen der indianischen Bezeichnung des heutigen Mount Rainier zu verdanken. Sie nannten ihn Mount Tahoma. Der Berg gehört zu den aktiven Vulkanen der USA und ist an vielen Tagen sowohl von Seattle, als auch von Tacoma aus zu sehen. Wir haben den Vulkan seit unserer Ankunft noch nicht einmal zu Gesicht bekommen. Die Fernsicht ist extrem niedrig - die Region plagt sich mit dichten Rauchwolken der diversen Waldbrände in Oregon und Kalifornien.

Tacoma selbst verfügt über einen für die Region wichtigen Cargo Hafen, entsprechend nehmen wir die Optik beim Vorbeifahren als maritim-industriell war. Kurz hinter Tacoma bringt uns die Tacom-Narrow-Bridge über den Puget Sound auf die Halbinsel Kitsap. Die Natur übernimmt, das Landschaftsbild wird von größeren, urigen Waldgebieten bestimmt. Jetzt fühlen wir uns mehr und mehr im Norden der USA angekommen.

Von der Halbinsel Kitsap geht es weiter nach Olympic Peninsula. Der nächste Ort am 101 nennt sich Sequim und bezeichnet sich selbst als Lavendel-Hauptstadt. Von den Lavendelfeldern der vielen kleinen Farmen haben wir optisch nicht viel mitbekommen. Es ist zum einen keine typische Blütezeit, zum anderen war es auch im Norden der USA ungewöhnliche warm. Wiesen und Felder sind, wie in Europa, ziemlich ausgetrocknet.

Normalerweise wären wir die gesamte Fahrt über von den Olympic Mountains begleitet worden. Auch diese sind leider nicht zu sehen und verstecken sich hinter den Rauchschleiern. Sehr schade, da die Straßenführung optisch ein Schmankerl gewesen wäre. So fehlen mir auch schöne fotografische Elemente von unserer heutigen Fahrt.

Am Nachmittag erreichen wir Port Angeles. Ein Spaziergang hilft uns diesen keinen Ort zu erfassen. Port Angeles ist der nördlichste Punkt - in 90 Miles Entfernung befindet sich Kanada. Sequim und Port Angeles fungieren, zumindest in den Sommermonaten als Rückzugsort gut betuchter Bürger aus Seattle. Beide Ort sind klein aber gut gepflegt. Die Temperatur ist hier auch spürbar gesunken und sobald die Sonne untergegangen ist, muss man von kalten Temperaturen sprechen. Diese werden uns in den kommenden 2 Tagen bei der Umrundung der Olympic Halbinsel begleiten.